Menschen wie ich, die erstens einen hohen Flüssigkeitsbedarf haben und zweitens gerne lange Spaziergänge machen, interessieren sich sehr schnell für das Innere öffentlicher Bedürfnisanstalten; – sonst ja eher ein Ort, den die deutsche Sprache nicht von Ungefähr mit dem Begriff “Notdurft” verknüpft.

Als mich also hier in Strasbourg das erste Mal die gesellschaftliche Pflicht in die Not brachte, den Bedeutungsinhalt der entsprechenden Hinweisschilder im Realen einholen zu müssen, stieg vor meinen Erinnerungsaugen alles auf, was den französischen Klos als Geruch vorauseilt:

die als Pissoirs ausgewiesenen Feuchtbiotope an den Autobahnraststellen, die Verzichtbarkeit von Klobrillen, die Restaurant-Klos, die ihren grammatikalisch bedingten Plural (les toilettes) (besonders) den Frauen zum Grauen in einer realen Einzahl manifestieren, besonders jenes, wo in einer kleinen Kabine inmitten der Gaststube auf einem Podest sich ein so genanntes “türkisches Klo”, also eines auf Bodenniveau, als oft verfehlte Zielscheibe präsentierte …

Und natürlich dachte ich auch an jene schönen Wiener WC-Anlagen, deren Charme Menschen zu viertelstundenlangem Anstehen vor den Klos einer amerikanischen Fastfoodkette motiviert …

(… falls ich an irgendetwas dachte …)

… das Toilettegebäude im Orangerie-Park sah auch von außen um nichts anderes aus als die scheußlichen Wiener Park-Klos (zumindest als solche, sofern sie renoviert sind) …

… doch dann trat ich ein:

links Frauen, rechts Männer, verbunden durch einen gemütlichen Raum, der offensichtlich von jemanden als Büro und Wohnküche verwendet wurde; den Pissoir-Raum selbst durchwehte ein angenehmer Duft, die Armaturen glänzten und die Emailteile funkelten vor Sauberkeit, die Bodenfliesen waren neu, geschmackvoll ausgesucht und ließen keinerlei Verschmutzung erkennen. In besagtem Verbindungsraum dauertelefonierte die diensthabende Raumpflegerin.

Man mag es glauben oder nicht: Aber alle bisher besuchten öffentlichen Klos in Strasbourg schauen so aus!

Achja, und bevor ich’s vergesse: Beim Rausgehen störe ich die Verantwortliche in ihrem Telefonat. Sie unterbricht. Geblendet vom Luxus der Lokalität kratze ich mein dürftiges Französisch zusammen und frage schüchtern, ob ich denn nichts zu bezahlen hätte. “Nein, das ist schon gut”, lächelt sie. (P.)

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