Es ist schon einige Zeit her, dass ein rätselhaftes Wort in unseren Beziehungsalltag getreten ist: „contrarié“ Dieses Wort tauchte immer wieder einmal auf, die Übersetzung blieb dabei schwierig und wurde auch von einem auf das andere Mal wieder vergessen. Sandrine beschrieb die Wortbedeutung als eine Art Steigerungsstufe zu „etwas stört mich“; die Wörterbuchrecherche bringt eine rätselhafte Doppelbedeutung zum Vorschein:

Die eine heißt – synonym zu „combattu“ (von „bekämpfen“) – so etwas wie „verhindert“ oder „vereitelt“; die andere kreist um Wörter wie „verärgert“, „beleidigt“ oder auch „erbost“.

Letztens wurde uns mit einem Schlag klar, wie sich „contrarié“ auf deutsch übersetzen lässt (Sandrine plant noch ein Post über die Details dieser Erkenntnis.). „Contrarié“ bezeichnet nämlich einfach: „Zustand einer Person nach dem Kontakt mit einer französischen Behörde“. Die bürokratische Realität sieht nämlich so aus:

Während in der guten alten josephinistischen Bürokratie Österreichs die Kunst darin besteht, die zuständige Person ausfindig zu machen (die die einzige ist, die sich auskennt), sind in Frankreich alle zuständig. Und NIEMAND kennt sich aus. Das hat zur weiteren Folge, dass ständig Anliegen, die man hat, entweder falsch oder nur teilweise, oder falsch UND nur teilweise, oder zumindest teilweise falsch bearbeitet werden. (Das alles aber höflich, teilweise sogar geradezu liebenswürdig.)

Damit wird auch die Doppelbedeutung klar: Man ist nämlich auf lange Zeit (in unserem Fall seit etwa einem halben Jahr, kein Ende in Sicht) in seinem Anliegen VERHINDERT. Wiederum in unserem Fall bezieht sich das Anliegen auf die staatlichen Leistungen, von denen wir momentan eigentlich leben würden. Und diese VERHINDERUNG gestaltet sich emotional wie? – Genau …

Und DAHER beziehe ich auch meine Rechtfertigung für dieses ungewöhnlich scharfe Post über meine neue Heimat, wie man in Österreich zu sagen pflegt.

Bliebe nur noch zu klären, was dieses Wort in unserem Beziehungsalltag verloren hat, aber DAS geht Sie jetzt wirklich gar nichts mehr an … (P.)